Dresden: Innerhalb des Forschungsprojektes FlexHub haben Kiwigrid, EnergieDock und Mitnetz Strom gezeigt, wie steuerbare Verbrauchseinrichtungen netzdienlich gesteuert und einem Flexibilitätsmarkt zugeführt werden können.

Link zum Originalblogpost der Kiwigrid GmbH.

Innerhalb des Forschungsprojektes FlexHub haben Kiwigrid, EnergieDock und Mitnetz Strom gezeigt, wie steuerbare Verbrauchseinrichtungen netzdienlich gesteuert und einem Flexibilitätsmarkt zugeführt werden können.

In der dezentralen Energiewelt müssen Erzeugung und Nachfrage anders koordiniert werden, als dies bisher der Fall war. Wenn die Stromnachfrage geringer ist als die Grünstrom-Produktion und somit eine Netzüberlastung droht, sollte der Verbrauch durch dezentral verteilte Lasten intelligent koordiniert werden, anstatt erneuerbare Anlagen abschalten zu müssen.

6.482 Gigawattstunden* an Erneuerbarer Erzeugung gingen 2019 deutschlandweit im Rahmen von Einspeisemanagement-Maßnahmen verloren. Die einhergehenden Kosten von knapp 710 Mio. € wurden über Netzentgelte auf die Stromkunden umgelegt. Im Jahr 2020 gab es gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Anstieg von Abregelungen erneuerbarer Anlagen.

Um die Einspeisung zu maximieren und die resultierenden Entschädigungen gegenüber Anlagenbetreibern zu vermeiden, erforscht das vom BMWi geförderte Forschungsprojekt FlexHub, wie sich vorhandene Netzstrukturen durch die Steuerung von Stromverbrauchern effizienter nutzen lassen und sich unnötiger, teurer Netzausbau vermeiden lässt. In einer Live-Demonstration wurde nun gezeigt, wie Nutzer eines Heim-Energiemanagement-Systems ihr Elektroauto zur netzdienlichen Nutzung auf einem Flexibilitätsmarkt bereitstellen können. Eine zeitlich koordinierte, netzdienliche Nutzung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen eröffnet Verteilnetzbetreibern, Aggregatoren und Bilanzkreisverantwortlichen verschiedene neue Geschäftsszenarien. In Folge ließen sich die Stromkosten für Endkunden senken und kundenorientierte, bequeme neue Energieangebote machen.

In der Demonstration kamen die Energy-Service-Plattform KiwiOS und das Heim-Energiemanagement-System des Software- und IoT-Unternehmens Kiwigrid zum Einsatz. Dieses steuert intelligente Geräte wie Photovoltaik-Anlagen, Stromspeicher und Elektroladesäulen. Die
KiwiOS-Plattform verarbeitet dabei die immensen Datenmengen solcher dezentralen Energieressourcen in Echtzeit, sicher und skalierbar. EnergieDock, eine Ausgründung der HAW Hamburg, steuert mit seiner Softwareplattform für die marktgestützte Beschaffung von Flexibilitäten – NEMO.spot – die Kiwigrid Heim-Energiemanagement-Systeme. Der Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom meldet über das User-Interface des NEMO.spot die Notwendigkeit einer erhöhten Stromnachfrage an, z. B. weil für den Folgetag ein Überschuss an Erzeugung prognostiziert wird.

„Unsere Lösung NEMO.spot bietet Netzbetreibern die Chance flexible Verbraucher zu koordinieren statt abzuregeln und ermöglicht so eine Wertschöpfung von netzdienlicher Flexibilität. Als Startup schaffen wir so einen fairen Energiemarkt für alle Stakeholder. Das FlexHub-Projekt erlaubt uns die Umsetzung dieser Vision mit starken Partnern.“

Dr. Tim Dethlefs, Gründer und CEO von EnergieDock

„Flexibilität ist ein entscheidender Faktor für die Energiewende, denn nur mit ihr lässt sich die Nutzung Erneuerbarer maximieren. Um sie in das Energiesystem einzubinden, bedarf es einer leistungsfähigen, hochsicheren Plattform für den Energiesektor und darauf laufender Energieprodukte. Nachdem wir im Forschungsprojekt FlexHub mit der erfolgreichen Erprobung einen wichtigen Meilenstein erreicht haben, freuen wir uns jetzt auf den Roll-out dieser fortschrittlichen Technologie, an welcher KiwiOS und unsere Energiesoftware einen wichtigen Beitrag hat.“

Dr. Frank Schlichting, CEO von Kiwigrid

„Die erfolgreiche Demonstration mit Kiwigrid und EnergieDock beweist, dass die netzdienliche Steuerlogik, die unseren NetzFlex Tarif untermauert, auch für die marktdienliche Integration in andere Use-Cases geeignet ist. Innerhalb unseres Netzgebietes werden Pilotkunden mit Elektromobilen im Rahmen eines Demonstrators ab diesem Jahr diese Technologie testen. Somit zeigen wir die technische Machbarkeit auf und generieren wertvolles Kundenfeedback.“

Steve Bahn, Mitnetz Strom, Prozess- und Systemmanagement Meter2Cash

*Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2019

Über EnergieDock
EnergieDock ist ein Startup aus der Forschung zu Energiemärkten an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg. Das Startup mit Sitz in Hamburg wurde im April 2020, mitten in der Coronakrise, von den Wissenschaftlern Dr. Tim Dethlefs, Dr. Tim Plath und Dr. Thomas Preisler gegründet und verfolgt seitdem die Mission einen fairen Energiemarkt für Flexibilität zu schaffen. Mit seinen mittlerweile fünf Mitarbeitern konnte das junge Unternehmen bereits früh Kunden von seinem einzigartigen Ansatz überzeugen und erreichte bereits im Gründungsjahr die Gewinnzone.

Über Kiwigrid
Kiwigrid ist das Software- und IoT-Unternehmen für Erneuerbare Energien. Auf der KiwiOS-Plattform werden White-Label-Produkte für führende internationale Energieversorger, Distributoren, OEMs und Automotives entwickelt und betrieben. Kiwigrids Kunden erschließen dadurch den global wachsenden Markt für dezentrale Energie, diversifizieren ihr Angebot und differenzieren sich vom Wettbewerb. Das in Dresden ansässige Unternehmen wurde 2011 gegründet und beschäftigt heute über 150 Mitarbeiter. Kiwigrid ist führend bei intelligentem Energiemanagement und arbeitet u.a. mit E.ON, BayWa r.e. und LG Electronics zusammen. 
https://www.kiwigrid.com

Über Mitnetz Strom
Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (MITNETZ STROM) mit Sitz in Kabelsketal ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM). Als größter regionaler Verteilnetzbetreiber in Ostdeutschland ist MITNETZ STROM unter anderem für Planung, Betrieb und Vermarktung des enviaM-Stromnetzes verantwortlich. Das durch die MITNETZ STROM betreute Stromverteilnetz hat eine Länge von rund 74.000 Kilometern und erstreckt sich über Teile der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
https://www.mitnetz-strom.de/

Über FlexHub
Das Projekt „FlexHub – Verteiltes Flexibilitätsdatenregister für Strommärkte der Energiewende“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Das Vorhaben läuft seit 2019 und wird voraussichtlich im Jahr 2022 enden. Innerhalb des Projekts wird ein Flexibilitätsdatenregister mit einem Energiemarkt für flexible Verbraucher und Erzeuger entwickelt. Die Partner des Forschungsvorhabens sind FGH e.V. (Konsortialführer), Fraunhofer FIT, Fraunhofer FKIE, EnergieDock UG im Unterauftrag der HAW Hamburg, Kiwigrid GmbH, RWTH Aachen und MITNETZ STROM. https://www.mitnetz-strom.de/unternehmen/blog/blog/2021/01/20/forschungsprojekt-flexhub-netz-effizienter-nutzen